top of page

Abbilden vs. Bebildern

Die Stärke der Fotografie besteht darin, zeigen zu können, was wirklich ist. Zeitnah. Unmittelbar. Emotional (falls gewünscht). Der Fokus im Einsatz fotografischer Bilder muss sein, als Garant für die Echtheit des Abgebildeten zu gelten. Den Beweis dafür erbringen, dass das Abgebildete tatsächlich stattfand. Die Eigenschaften des Mediums müssen zum Teil der Botschaft werden.

Mann steht vor einer Bretterwand und schaut durch ein Loch.
Was würde uns das Bild mitteilen, wäre es von KI generiert? © Ex-Press/Harald Thiessen

Die Fotografie wird sich von KI-Bildern abgrenzen und sich dem real Existierenden verpflichten, ohne die Inszenierung auszuschliessen. Man kann auch einen Schritt weitergehen und fordern, dass sämtliche Bearbeitungen und Bildmanipulationen jederzeit und von jedem überprüfbar gemacht werden sollen. Das ist umsetzbar und wird immer wichtiger werden. Nicht nur im journalistischen oder wissenschaftlichen Kontext. Je mehr wir uns in Welten wie zum Beispiel dem Metaverse bewegen und diese Welten in unsere Realität eingreifen und sie überlagern (Augmented Reality), desto wichtiger wird es sein, mittels nicht manipulierbarer Zertifikate, Echtheit beweisen zu können.


Im professionellen Einsatz wird die Existenzberechtigung der Fotografie darauf ausgerichtet werden müssen: Echtheit abzubilden und das mittels beweisbarem Abbilden. Daher werden die Bereiche und Themen vielfältig bleiben, in der die Fotografie ihre Stärke behaupten kann: das Unternehmen, das seine neuen Mitarbeiter zeigen möchte; das Architekturbüro, das sein gebautes (!) Hochhaus präsentieren möchte; der Herstellungsprozess der eigenen Produkte: all diese Bildinhalte sind ohne den Beweis ihrer wirklichen Existenz nutzlos.


Auf der ästhetischen Bewertungsebene der funktionalen und kommerziellen Fotografie wird bereits heute der Wunsch nach dem Echten geäussert: ausgeleuchtete und perfekte Realitäten wirken nicht glaubhaft, die Perspektiven und Bildausschnitte sollen natürlich, authentisch wirken. Auch das sind Indizien dafür, dass die KI nicht die Lösung für alles sein wird. Aber es sind auch Tendenzen, die vom Zeitgeist abhängig sind und sich in einigen Jahren auch wieder anders darstellen können.


MitKI nur bedingt zu erfüllen ist die Informations-Ebene. Ausser, es sollen Prozesse oder Geschehnisse bebildert werden, die sich schlicht und ergreifend nicht emotionalisierend oder mit zu wenig Informationabbilden lassen. Das wird insbesondere in den wissenschaftlichen und medizinischen Bereichen der Fall sein. Aufgaben also, die bis anhin von Illustratoren und CGI-Artists ausgeführt wurden. Zeitgebundene Ereignisse, also zum Beispiel Tagesaktuelles, wird aller Voraussicht nach nicht das Kerngebiet der visuellen KI werden.


KI wird die Fotografie mitgestalten und beeinflussen: indem Gesichter anonymisiert werden können (ohne schwarze Balken). Oder aber der Corbusier-Sessel aus markenrechtlichen Gründen mittels KI abgeändert werden kann, ohne den Bildbearbeiter wecken zu müssen. Auch das Keywording, entscheiden, um Bilder auffindbar zu machen, wird in Zukunft noch stärker von KI unterstützt werden. Auch wenn hier der Mensch zur Zeit immer noch den besseren Job macht.


Als nützliches Werkzeug für viele Aufgaben wird die KI in der Arbeit mit Bildern unseren Arbeitsalltag erleichtern und bereichern. Das Versprechen der Fotografie aber kann die Künstliche Intelligenz naturgemäss nicht erfüllen.

0 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page